>>>Stefan Bohun  

Director's Statement

Wenn der Vater des kleinen Wundertrompeters Aníbal auf einem Karibikstrand stolz vom musikalischen Eifer seines Sohnes erzählt, dann erinnern sich viele von uns daran, einmal selber als Kind vom Vater nach einer langweiligen Klavierstunde abgeholt worden zu sein.
Ich will, dass sich der Zuseher mit den Protagonisten im Film identifizieren kann. Dazu braucht es eine große Vertrauensbasis, die Kommunikation zulässt und anregt. Ziel ist es, Gemeinsamkeiten scheinbar fremder Welten zu erkunden, Fragen zu stellen, die junge Menschen aller Nationen bewegen - egal ob in Südamerika oder Europa. Erst wenn diese Identifikation passiert, kann auf die Unterschiede zwischen Zuseher und Protagonisten hingewiesen werden: Welten des Wohlstandes gegen Welten der Exotik, Welten der Sicherheit gegen Welten der Kriminalität. Wenn der mestizische Harfenlehrer den jungen Kaffeebauern Leonardo im Arpeggiospiel von Bach unterrichtet, dann entsteht eine vertraute Atmosphäre in einer fremden Welt. Umso krasser offenbart sich dem Zuseher in der Folge der Unterschied, wenn er denselben Menschen beim abendlichen Ritual des Nachladens von Munition beobachtet und ihm die Tatsache vor Augen geführt wird, dass jener Kaffeebauer für seine Arbeit nur einen Bruchteil dessen bekommt, was Amerikaner und Europäer für eine Tasse bezahlen.
“Mata Tigre“ lässt uns unsere eigenen Träume noch einmal träumen und den Eifer bewundern, mit dem sich Aníbal, Leonardo und Luis Alfredo der Musik hingeben. Schließlich geht es für sie um mehr, als um die bloße Erfüllung eines Traums: Es geht um die Hoffnung auf ein menschenwürdiges Leben.